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Meerwasser ist für die Umwandlung von verflüssigtem Erdgas (LNG) in gasförmiges Erdgas von großer Bedeutung, wenn dieser Prozess auf einem Regasifizierungsschiff (FSRU) stattfindet. Das Meerwasser kommt – da es sich in einem hermetisch getrennten Kreislauf befindet – allerdings nicht mit dem LNG oder Erdgas in Berührung. Für den Regasprozess ist das Meerwasser wichtig, weil es in wärmeren Jahreszeiten als Energielieferant für die notwendige Erwärmung des LNGs dienen kann und ganzjährig als Kühlung für andere Prozesse genutzt wird.
HOHER SALZGEHALT DER JADE
Am Standort Wilhelmshaven gibt es dabei große Herausforderungen: Mit rund 3 % ist der natürliche Salzanteil – bestehend aus gelöstem Natriumchlorid – im Meerwasser sehr hoch. Zum Vergleich: Dies entspricht chemisch und mengenmäßig etwa zwei gehäuften Esslöffeln Kochsalz auf einen Liter Wasser. Zugleich ist der Jadestrom eines der bioaktivsten Gewässer weltweit. In der Folge gelangen – für das bloße Auge kaum sichtbare – Mikroorganismen auch in die Seewasserkreisläufe von Schiffen.
Wird dagegen kein Schutzsystem eingerichtet, bilden die Kleinstlebewesen in den Leitungen auf Dauer einen nährstoffhaltigen Biofilm. Dieser wiederum lockt Seepocken und Muscheln als Nährstoffgrundlage an, wodurch das weit verzweigte Rohrleitungssystem an Bord unweigerlich zuwächst (Biofouling). Störungen der Technik und der Betriebssicherheit sind die Folge, ein Totalausfall des Schiffs ist auf Dauer sehr wahrscheinlich.
STAND DER TECHNIK
Um davor zu schützen und den sachgemäßen Betrieb des Schiffs zu sichern, ist die Elektrochlorierung als Stand der Technik das weltweit anerkannte und vom Bundesverwaltungsgericht bestätigte Verfahren. Das etablierte Verfahren nutzt das im Meerwasser als Natrium- und Chloridionen gelöste, natürlich vorhandene Salz. Externe Chemikalien kommen nicht zum Einsatz. Vielmehr wird das Meerwasser an Bord unter Strom gesetzt (Elektrolyse). Hierbei entsteht Natriumhypochlorit, das – bereits in sehr geringer Konzentration – die Bildung des Biofilms in den Leitungen verhindert.
Die Hauptwirkung wird am Beginn des kilometerlangen Rohrsystems einer FSRU erzielt. Auf dem weiteren Weg an Bord werden die aktiven Chlorverbindungen in den Leitungen wieder zu Meersalz abgebaut, sodass am Auslass des Schiffs nur noch ein äußerst geringer chemisch aktiver Anteil in die Jade gegeben wird. Auch setzt sich der Abbau der Restmenge im Meerwasser unmittelbar fort. Dieses Verfahren, das auch in großen Teilen der übrigen Schifffahrt Anwendung findet, ist wasserrechtlich genehmigt und in Deutschland höchstrichterlich vom Bundesverwaltungsgericht als Stand der Technik bestätigt.
GRENZWERTE EINGEHALTEN
Die Einhaltung bestehender, strenger Grenzwerte wird dabei unter Aufsicht der zuständigen Behörden in systematischen Beprobungen des umgebenden Meerwassers kontrolliert. Überdies konnte zu keinem Zeitpunkt in den dreieinhalb Jahren seit Inbetriebnahme der ersten FSRU in Wilhelmshaven eine Anreicherung von Stoffen in Fischen und Muscheln als Folge der eingesetzten Elektrochlorierung festgestellt werden.